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| „Haute Route 2011“ 7 Tage-Etappenrennen von Genf nach Nizza

postdateiconDienstag, 30. August 2011 um 04:12 Uhr | postauthoriconGeschrieben von: Wolfgang Gassner | PDF | Druckbutton anzeigen? | E-Mail

17000 Höhenmeter verteilt auf 730 Kilometer und 15 Bergpässe waren die Zutaten des erstmalig ausgetragenen Jedermann- Radrennens „Haute Route“ von Genf nach Nizza.

Martin und Claudia Gralki stellten sich der siebentägigen Herausforderung entlang der französischen Hochalpenstraße. 260 Männer und 21 Damen aus 23 Nationen starteten in Genf bei besten Wetterbedingungen, das uns die ganze Woche über begleiten sollte.

Auf der ersten Etappe nach Megeve über 109km und 2200Hm hieß es für uns erstmal einrollen und ins Rennen finden. Die ersten 24km wurden im neutralisierten Convoi gefahren mit einer geringen Geschwindigkeit, so dass sogar Zeit für eine Pinkelpause war. Col de Colombiere und Col de Aravis hießen die ersten Pässe der Tour.
Schon am zweiten Tag standen über 102km 3000Hm auf dem Plan mit einem der landschaftlich schönsten Pässen, dem Cormet de Roselend, und der Zielankunft im Skiort Les Arcs 1800. Leider hat Claudia am Vortag ihre Kohlenhydratspeicher zu wenig aufgefüllt, was ihr während dem Rennen zu schaffen machte. Zudem wurde ihr eine kleine Kamera vom Kamerateam am Rahmen montiert, die sich während der Fahrt löste. Somit hieß es anhalten und auch während der Fahrt immer wieder Schrauben festdrehen: Eine Etappe mit Hindernissen blieb uns in Erinnerung.

Ein Highlight der „Haute Route“ wurde die Marathonetappe an Tag 3 über 169km und 4000 Höhenmetern. Nicht nur das Streckenprofil über die legendären Pässe Madeleine, Telegraph und Galibier, sondern auch große Hitze und starker Gegenwind forderte von den Radsportlern alles ab. Bei Martin löste sich bei der Abfahrt vom Madeleine ein Flaschenhalter, was ihn zu einem Zwischenstopp zwang. Die Nachholjagd in maximalem Tempo kostete ihn viel Energie, was er am Telegraph zu spüren bekam. Zudem war die zweite Verpflegungsstelle sehr spät positioniert, so daß Martin und viele andere auch mit leeren Flaschen und großem Durst zu kämpfen hatten.
Besser erging es Claudia, die an diesem Tag ihr bestes Tagesergebnis als 4. Dame und Platz 44 im Gesamtklassement erreichte.

Etwas Verschnaufpause gab es am vierten Tag mit dem Einzelzeitfahren auf den 2400MüM gelegenen Col de Granon: 12km mit 1200Hm und durchschnittlich 10% Steigung auf einer herrlichen Panoramastrasse mit Blick auf den Meije Gletscher. Martin bewältigte die Strecke als 32. in 54,26min und Claudia als 5. Dame in 1:00,54h. Wir genossen zwei Nächte in Serre Chevalier ohne Transfer auf einem herrlichen Stellplatz mit Blick auf den Galibier.

Eine traumhafte Streckenführung über den Col d`Izoard und Col de Vars lenkte die Teilnehmer am nächsten Tag von der steigenden Ermüdung etwas ab. Gut positioniert nach dem Izoard ging es für uns in rasendem Tempo durch eine faszinierende Schlucht. In einem Kreisverkehr kurz vor dem Einstieg in den Col de Vars hatten wir beide einfach nur Glück:
Eine schmierige, nasse Schlammschicht brachte uns im Pulk bei Tempo 30 ins Schlittern. Beide konnten wir uns noch fangen und Claudia fuhr in einen Graben, zum Glück ohne Sturz. Manch nachfolgende Radler wurde diese Stelle leider zum Verhängnis. Ärgerlich, dass der dort stehende Helferposten nicht gewarnt hatte.
Was dann folgte, war für Claudia der härteste Abschnitt der Haute Route. Eine Verkrampfung der Bronchien ließ die Atmung nicht mehr normal fließen, so daß an ein Renntempo nicht mehr zu denken war. Ankommen war das Mindestziel und die Frustration groß.
Die vorletzte Etappe führte über die höchste befahrbare Straße Europas, dem Cime de la Bonette auf 2802MüM. Starker Wind ab 2000Hm verdoppelte die Anstrengung. Froh war, wer in einer Gruppe fahren konnte. Wir entschieden uns getrennt zu fahren, denn die Platzierung im Damen- Gesamtklassement war nach dem gestrigen Tag für Claudia entschieden. Zu weit der Abstand auf Platz 4.

Am Finaltag erschien der letzte 1000Hm-Anstieg zum Col St. Martin als Kleinigkeit. Claudia genoss in entspannten Tempo die letzte Etappe und Martin unterstütze mit Flaschentransport Andrea Scharrer, die als 2. Dame nur 1:50min Rückstand auf die führende Französin hatte. Es war ein Versuch wert für sie, vielleicht noch den Gesamtsieg zu holen, was leider nicht mehr gelingen sollte.
Die 2800 Abfahrtshöhenmeter Richtung Mittelmeer verführten zu einem Temporausch.
Mit überwältigenden Glückgefühlen wurden wir bei der Zieleinfahrt im gesicherten Convoi auf die Promenade des Anglais in Nizza belohnt. Nicht wenige sprangen in Radbekleidung direkt ins Meer.
Einen stilvollen Abschluss mit einem leckeren französischen Buffet gab es auf dem Castel von Nizza, einer felsigen Anhöhe, mit herrlichem Blick über die Küste und die Stadt.
Claudia belegte im Endklassement den 5. Platz in der Damenwertung und Martin den 53. Gesamtrang bei den Herren. In der Duo Mixte Wertung erreichten wir als Paar den 4. Platz.

„ Es war eine fantastische Woche mit beeindruckenden Landschaften, herzlichen Bekanntschaften, mentalen und körperlichen Höhen und Tiefen. Die engagierten Organisatoren haben ein tolles Radsportevent ins Leben gerufen, was sicher eine große Zukunft in der Jedermann- Radsportszene haben wird. Herzlichen Dank auch an Conny, die uns begleitet hat.“ resümierten wir begeistert.

Aktualisiert (Freitag, 02. September 2011 um 04:24 Uhr)

 

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